Stimmen aus der Gemeinde

Wie geht Ihnen in diesen Zeiten?“, hat Pfarrer Windolf die Gemeindemitglieder gefragt. Bis zum 2. Mai 2020 konnte ein Statement zum Leben in Coronazeiten eingesandt werden. Hier finden Sie die Einsendungen. Mit einem Klick auf die Überschrift öffnet sich das Textfenster.

Mehr gemeinsame Zeit

Die gemeinsame ZEit mit meiner Frau hat sich stark gesteigert, bedingt durch die Ausgangsbegrenzungen. Ich empfinde es auch nach 47 Ehejahren als positives Erlebnis und werde auch nach dieser Zeit versuchen, die gemeinsamen Zeiten bewusster wahrzunehmen. Die täglichen Impulse per Mail helfen sehr dabei, den aus der Nähe bedingten Stress zu beherrschen.

Maximilian Wimmer

Ich bin dankbarer geworden
  1. diese „stillen“ Wochen [während der Ausgangsbeschränkung] haben mich dankbarer gemacht für alles, was ich bin und habe: Meinen Mann, meine Kinder und Enkel, meine Freunde, meine Pfarrei, meine Gesundheit, meinen Glauben. Alles ist ein Geschenk von Gott, nichts ist selbstverständlich.
  2. Nie zuvor haben wir durch unsere fast täglichen Spaziergänge im Ostpark die Entfaltung der Natur im Frühling so intensiv erlebt – jeden Tag ein anderes Naturschauspiel, eine Blütenpracht. Wir sind sehr dankbar für unsere Münchner Stadtgärtner.
  3. Herr Pfr. Windolf hat mit seinem Team für Heiterkeit gesorgt und das Wort von Papst Benedikt XVI. bestätigt: „Ein Christ ist nie allein“. Denn in dieser Zeit bin ich begeisterter Hörer von „Radio Horeb“ geworden, wo ich oft auch die Hl. Messe mit unserem Papst Franziskus feiere, dessen Worte mich tagsüber begleiten.
  4. Die vielen Toten haben mich erschüttert, aber auch für die Zukunft getröstet: Der Tod hat nicht das letzte Wort, wir Christen haben eine Perspektive! Christus ist auferstanden! Halleluja!

Elisabeth Neumann, 75 Jahre

Die Menschen sind rücksichtsvoller geworden

Ich finde dass die Menschen rücksichtsvoller sind und ich hoffe, das könnte (mit etwas Glück und Unterstützung von oben) so bleiben! Damit meine ich zum Beispiel: es wird dem Nächsten etwas mehr Aufmerksamkeit geschenkt, weil man (leider) um ihn herum gehen muss wegen des Abstandes – aber dabei wechselt man häufiger als früher Blicke, lächelt sich zu, nickt sich zu. Dadurch entsteht ein gewisses „Miteinander“.Ich genieße es, dass die Welt ruhiger geworden ist, man hört mehr Vogelgezwitscher als Verkehrslärm. Keine Flugzeuge und weniger Autos. Plötzlich geht sowas. Vielleicht kann sich der ein oder andere von uns für „nach Corona“ wieder ein „Sonntags-Fahrverbot“ einmal im Monat oder „Montags-Fahrverbot“ einmal in der Woche (für alle die das Auto eben nicht unbedingt beruflich brauchen, vorstellenIch finde es wunderbar wie häufig man Männer mit ihren Kindern draußen sieht. Vielleicht merkt der ein oder andere wie herrlich es sein kann mehr Zeit mit den Kindern zu verbringen. Ich denke bei einigen wäre es möglich, ein paar Stunden „Karriere“ gegen ein paar Stunden „Glück“ mit den Kindern zu tauschenIch finde die Kreativität toll mit der einige Lehrer (leider auch einige nicht) den Schülern online gute Möglichkeiten und Anreize bieten, selbst zu lernen, Eigeninitiative zu entwickeln, Interesse zu schüren durch gutdurchdachte Aufgaben,  Rätsel, Tipps für Youtubes, in denen z.B. „Lehrer Schmidt“ Dinge erklärt.  Das wäre vielleicht auch etwas was man beibehalten könnte. (neben einem neu überdachten Schulunterricht) Auch mein Leben ist ruhiger geworden und ich spüre immer mehr dass ich (auch für nach Corona) etwas herunterfahren muss, weniger arbeiten, vielleicht wieder mehr singen und Gitarre üben – das habe ich sehr vernachlässigt wegen unserer „ewigen“ Baustelle hier zuhause, wegen Haushalt und nicht zuletzt der vielen Arbeit in der Praxis (Ergotherapie) …wurde immer wieder krank. Vielleicht kann ich mit meiner Zeit auch etwas sorgsamer umgehen Und last but not least :  Ich bete morgens!!!!!!!!! Weil ich nun morgens nicht gleich nach dem Aufwachen raus muss, kann ich mich schön besinnen und beten. Petra Gritsch

Was ich an Positivem mitnehme
  • der Gesang der Ostervesper – online, auf unserer Website – zeigt, wie schön und hilfreich dieses Gebet der Kirche für Christen ist und sein kann, wenn dies gebührend, stilvoll gefeiert wird. So etwas wünsche mir auch in Zukunft in unserer Pfarrei. Ich wünsche mir in Zukunft, dass wir in unserer  Pfarrei, die Vesper und auch die Laudes mit einer kleinen, sich verantwortlich fühlenden Gruppe gestalten: gesanglich, mit byzantinischen Gesängen und aktuellen Texten. Einfach nur irgendwie dieses Gebet abhalten reißt niemand vom Hocker, ist so auch nicht einladend. Dieses Gebet sollte stilvoll sein, gut vorbereitet. Unsere deutschen Psalmodien und Antiphonen sind oft zu steril und „akrobatisch“ und wird leider nur von sehr wenigen und alten Leuten durchgeführt.“ 
  • Wie wäre es, wenn von einer kleinen Gruppe vor Festtagen: Fastenzeit, an Ostern, Pfingsten, in der Advent- und Weihnachtszeit online auf unserer Website die Vesper zu finden ist, wie das schon mit der Ostervesper geschehen ist. Während der Quarantäne ist mir das Stundengebet der Jerusalemer Gemeinschaft in Köln ein tägliches Highlight. Kein Stundengebet gleicht dem anderen und doch hat es seinen immer wieder kehrenden inhaltlich reich gefüllten Rahmen. Bei diesem Gesang geht einem nicht nur das Herz auf.
  • ANBETUNG: Wenn wir Anbetung 1x im Monat – schon jetzt – an einem Freitag (z.B. Herz Jesu Freitag?), über Doodle – Mitchristen einladen, sich in den Ablauf dieser Anbetung einzubinden, was erfolgreich an Gründonnerstag durchgeführt worden ist.
  •  Ich hoffe, dass  all jene Gruppen, oder Foren beendet werden, die mit viel Anstrengung, krampfhaft aufrecht erhalten werden! Ich hoffe, dass wir nicht wieder in den Alltags-Stress wie vor der Corona Krise zurückfallen. Ich wünschte, dass wir unsere Fähigkeiten und Möglichkeiten effektiver bündeln, um so Gemeinsames, Gutes schaffen können, dazu braucht es aber mehrere Leute.
  • …nochmals zwischendurch herzlichen Dank für die schönen Beiträge! Yvonne Weber
Man könnte von dieser Zeit ein ganzes Buch schreiben
  1. Obwohl man sehr in der Mobilität eingeschränkt war, und noch ist, und auch die persönlichen Kontakte praktisch auf Null zurückgefahren worden sind wegen der Ausgangsbeschränkungen, könnte man von dieser Zeit doch ein ganzes Buch schreiben.
  2. Bemerkenswert war die enorme Anzahl an Kontakten zu allen möglichen Leuten (Familie, Freunde, Bekannte, Unbekannte, Nachbarn, Pfarrgemeindemitglieder, Pfarrgemeindenichtmitglieder und und und) durch Telefon, Smartphone, Internet, WhatsApp und sogar durch Postsendungen. Dank sei dem heiligen Isidor! Das „Netz“ hielt durch! Ja, ab und zu traf man auch jemanden persönlich „von der Ferne“.
  3. Trotz der fehlenden persönlichen Begegnungen hatten wir nicht das Gefühl allein auf einem anderen Planeten zu sein oder allein auf einer Insel. Man war auch durch viele Aktionen (Gebete, Messen in TV und zu bestimmten Pfarreimesszeiten, Glockengeläutgebet etc.) mit der Pfarrei in Gemeinsamkeit und Glauben verbunden.
  4. Einen großen Anteil daran und eine echte geistige und seelische Unterstützung war der tägliche geistige Gebetsimpuls, der mit Engagement, mit viel Manpower, mit viel Bemühen, mit viel Infos und auch mit viel Humor (wichtig!) von den Seelsorgern unserer Pfarrei unter der Leitung von Pfarrer Bodo Windolf erstellt wurde.
  5. Wir fühlten uns gut versorgt. Herzliches Vergelt’s Gott dafür!!!!!! Gefehlt in dieser Zeit hat uns vor allem der persönliche Kontakt zu den Menschen und der Empfang der Hl. Kommunion.
  6. Schön und positiv empfanden wir auch auf allen Ebenen (egal welche Kultur, Religion, Einstellung, Status) den Ideenreichtum und die Hilfsbereitschaft der Menschen im Umgang miteinander mit der und in der Coronazeit! Ausnahmen bestätigen die Regel!
  7. Entschuldigung, kürzer ging es nicht, das war das Minimum!

Uschi und Peter Tscherednitschenker

Glaube, Hoffnung, Liebe

GLAUBE: Gott ist immer bei uns und hilft auf seine Weise, diese Erkenntnis wurde durch die Tagesimpulse vertieft.
HOFFNUNG: Gottes Schöpfung kann besser bewahrt werden, z.B. könnte das Virus dazu beitragen, dass sich die Erderwärmung verlangsamt.
LIEBE: Mit der Krise zeigt sich zum Glück weniger Egoismus und sehr viel mehr Menschlichkeit. Ruth Großhans

Evangelium schätzen gelernt

Durch die täglichen Impulse (die ich auch noch alle zum Nachlesen gespeichert habe), habe ich das Evangelium noch mehr schätzen und kennen gelernt wie auch den Wert der Messe in der Gemeinschaft. Maria Witzenbichler

Ich habe eine sehr empfehlenswerte APP entdeckt

(allerdings von der Konkurrenz… ) Sie bietet beispielsweise einen Vers zum jeweiligen Tag, zahlreiche Lesepläne zu verschiedenen Themen, eine Notizfunktion zu einzelnen Versen und den kompletten Bibeltext zum Nachlesen und Durchsuchen. Auch ein Teilen mit Freunden ist möglich. So kann ich mich täglich mit Gottes Wort beschäftigen (mit Erinnerungsfunktion…). https://play.google.com/store/apps/details?id=com.sirma.mobile.bible.android&hl=de

Jutta Wagner

Einiges Positives!
  • Die Freiluftkonzerte von etlichen Künstlern, die einfach mal so für ihre Straße vom Balkon singen oder auf dem Klinikdach ein Geigensolo hinlegen. Streetmusic, manchmal von ganz großen Musikern, ist eine großartige Sache.
  • In unserem stark von Frauenemanzipation dominierten Zeitgeist finde ich in der Corona-Krise auch positiv, dass es endlich mal wieder etwas gibt, was nur für die Männer gilt. Es gibt nämlich neben der vielbesagten Verdoppelungszeit (für Frauen und Männer) jetzt auch eine Verstoppelungszeit – und das nur für Männer! (Naja, fast nur) Hans G. Langrieger
Was wir genießen und worauf wir uns freuen
  1. Mehr Zeit: Corona schenkt uns ganz viel übrige Zeit, die wir für uns selbst, fürs gemeinsame Gebet und auch für Dinge, die jahrelang immer liegen geblieben sind, nutzen können. Das eine oder andere davon (z.B. gemeinsame Gebetszeiten) werden wir uns für die Zeit nach Corona bewahren
  2. Wertschätzen der Familie, der Freunde, der Hauskirchen und der Gemeinde.
    Corona mutet uns da einen großen Verzicht zu. Für die Zeit danach freuen wir uns darauf, diese Beziehungen in neuem Licht wieder noch besser wertschätzen zu können.
  3. Beschränkung der Freiheit: Corona lässt uns spüren, wir in unserem Land die für uns selbstverständlich gewordenen Freiheiten (viele durch Grundgesetz verankert) ins Wanken geraten. Wir verstehen nun viel besser, wie es in anderen Ländern sein mag zu leben, in denen die Freiheit keine Selbstverständlichkeit ist. Und wir freuen uns schon wieder auf das Zurückgewinnen dieser Freiheit.
    Marie-Luise und Robert Wieland

Wieder einen Gottesdienst besuchen können

ich kann jetzt nur für mich sprechen. Es ist zu einer lieben täglichen Gewohnheit geworden, die Nachrichten von den einzelnen Hauptamtlichen zu bekommen. Die Messe zu lesen, Impulse und die Bildbetrachtungen, nicht zu vergessen die Witze über die ich oft herzhaft gelacht habe.
Trotzdem würde ich mich freuen auch wieder einen Gottesdienst besuchen zu können. Irene Baumgartner

Jesus täglich besucht

Uns war wichtig, insbesondere in der Karwoche und in der Fastenzeit Jesus tagtäglich in der Kirche zu besuchen. Einfach kurz vor dem Tabernakel innehalten. Pax et Bonum Fam. Stiefermann

Lasst Euch mit Gott versöhnen!

Das größte Geschenk in der Coronazeit war für mich die Beichte vor Ostern. Ausgerechnet der Priester, zu dem eigentlich ich nicht gehen wollte – hatte ich doch auch unangenehme Seiten an ihm entdeckt – war der Einzige, der DA war. Er war sanft und demütig wie Jesus selbst. Er hat mich nicht verurteilt. Aufgrund dieser Erfahrung fallen mir noch nach Wochen alle meine Fehler, Unzulänglichkeiten und Sünden ein, die ich nicht gebeichtet hatte.
Jetzt verstehe ich, wenn es am Ende der Beichte heißt: „durch den Dienst der Kirche schenke er dir Verzeihung und Vergebung deiner Sünden.“ Heute sehe ich, „Diener“ zu sein, hat sehr viel mit sich selbst Zurücknehmen, Demut und Geduld, Hingabe an den Dienst der Kirche und an Jesus Christus zu tun. Dieser „Dienst“ geschieht geräuschlos, fehlerlos, fast unsichtbar. Gerade dadurch macht er sichtbar, dass wir, Priester und Laien, eine Kirche von Sündern sind. Und zugleich – wir sind heilig und werden heilig – einzig und allein durch die Heiligkeit Gottes. Selbst wenn Selbstanklagen und Selbstmitleid auch nach Ostern immer wieder kommen, habe ich doch die Gewissheit: Er, der auferstandene Herr, hat alle Sünden und verkehrten Wege ans Kreuz und ins Grab genommen. Ich brauche nicht mehr zurückblicken, was ich gesündigt habe oder wer mich verletzt hat. Die Liebe ist stärker als der Tod. Hildegard Galleitner

Die klare Luft und der blaue Himmel

Die klare Luft und der blauen Himmel am Tag, der leuchtende Vollmond in der Nacht, dass ich das nicht irgendwo in den Bergen, sondern schon wenige Tage nach dem Lockdown mitten in München mal wieder erleben durfte, das hat meine Lungen und mein Herz geweitet, das hat mich begeistert. Vielleicht ist es ja für ein Umdenken, die Bewahrung unserer Lebensgrundlagen, die Bewahrung der Schöpfung noch nicht zu spät. Leopold Haerst

Gut Glück: Ein Coronagedicht

Gut Glück!

Das Osterfest ist anders als in früher’n Jahren;
„Corona-Krise“ ist das böse Wort.
Wir Weltenbürger sind darüber uns im Klaren,
und manchen von uns rafft sie früh hinfort.

Obwohl wir Abstand halten sollen voneinander,
ist uns der Nächste näher als zuvor.
Denn notgedrungen halten wir nun zueinander,
am Telefon hängt öfter unser Ohr.

Wir lernen alte Tugend wieder neu zu schätzen
und sehen uns mit Nachbarn oft vereint.
Das Wort „Gesundheit“ kommt nun vor in vielen Sätzen,
kaum eine liebe Bitte wird verneint.

Wir beten mehr und glauben stärker an das Gute
und hoffen, diese Krise sei nur kurz.
Uns ist aus Sympathie oft nicht so gut zu Mute,
wenn wir erfahren von der Wirtschaft Sturz.

Das Schlimmste für uns alle ist das bange Warten,
bis endlich ist erforscht die Medizin,
die uns erlaubt, den Alltag wieder neu zu starten –
so lange wird es sich noch ziehen hin.

So lasst uns diese große Chance wirklich nutzen,
die diese schwere Menschheitskrise birgt!
Nicht nur, dass wir den Widerständen trotzig trutzen,
doch auch, dass dieser Reifungsprozess wirkt:


Wir Menschen können wachsen nun zu einem Ganzen,
und gegenseitig uns’re Liebe sei.
Die Überwindung dieser Krise mach‘ uns tanzen,
uns das Erreichte Flügel gar verleih!

Wir werden neue, and’re Menschen sein am Ende.
Wir brauchen dazu Glück und guten Mut.
Es liegt an uns, ob wir erreichen eine Wende,
die uns erneuert schließlich und tut gut.

Vielleicht auch wird entschleunigt unser ganzes Hasten.
Wir halten inne in dem Viel-zu-viel
und lernen Demut neu, uns achtsam vorzutasten,
begründen so ein hehres Lebensziel?

Stephan Kessler